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Kategorie: > Technik > Wasseraufbereitung
Eisengehalt im Brunnenwasser über 70 mg
ms1511
(Mailadresse bestätigt)

  03.11.2020

Liebe Brunnenbauer,

ich habe in den letzten Tagen vieles über eisenhaltiges Brunnenwasser gelesen, aber leider keinen Beitrag gefunden, der mir bei meinem Problem weiterhilft.

Ich habe im Frühjahr einen Brunnen zur Gartenbewässerung bohren lassen. Bohrtiefe ist ca. 14 Meter.

Nun habe ich einen Wassertest machen lassen, mit dem Ergebnis 71,5 mg Eisen/Liter.

Daraus ergibt sich die Frage, welche Möglichkeiten habe ich, diesen vernünftig zu reduzieren.

Ich freue mich auf einen regen Meinungsaustausch mich euch,

Beste Grüße
Markus



Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 5
Renrew
(Mailadresse bestätigt)

  06.11.2020
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von ms1511 vom 05.11.2020!  Zum Bezugstext

Hallo Markus,

meine Aussage war „Beim FUNKTIONIERENDEM Fermanoxverfahren wird nur eisen- bzw. manganfreies Wasser gefördert, eine Verockerung des Brunnens ist also nicht zu befürchten.“
Nun ist das Problem mit Deinem Wasser der hohe Eisengehalt weil
a) der Sauerstoffbedarf höher ist als mit Sauerstoff gesättigtes Wasser liefern kann und
b) bei der Reaktion Eisen II (gelöst) zu Eisenoxidhydrat (schwerlöslich) viel Säure entsteht, die neutralisiert werden muss.

4 Fe2+ + O2 + 6 H2O → 4 FeO(OH) + 8 H+

Der sehr hohe Sauerstoffbedarf sowie die wahrscheinlich notwendige Neutralisierung des zurückzuführenden Wassers in den Brunnen werden mit einfachen Lösungen nicht zu einer funktionierenden Fermanox Aufbereitung führen.

Mit Eimerversuchen kann man vielleicht einen Eindruck gewinnen, ob mit ausreichender Belüftung und Säureneutralisation (evtl. Marmorkies) und starker Bewegung absetzfähige Flocken entstehen. Nach Sedimentation sollte noch ein Überschuss an Sauerstoff zu messen sein, der pH Wert über 6 liegen und der Eisen- und Manganwert im unteren 1-stelligen Bereich gemessen werden.
Die Zisternen könnten dann nach diesem Verfahren wechselweise brauchbares Wasser liefern.

Das von Bernhard Janssen beschriebene Verfahren eignet sich für Grundwasser wo das zurückgeführte Reinwasser genügend Sauerstoff  in den Untergrund bringen kann.
 
Viel Erfolg wünscht
renrew
 

https://www.dbu.de/OPAC/ab/DBU-Abschlussbericht-AZ-18193.pdf

https://www.oieau.org/eaudoc/system/files/documents/8/43107/43107_doc.pdf

ms1511
(Mailadresse bestätigt)

  05.11.2020
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Renrew vom 05.11.2020!  Zum Bezugstext

Hi renrew,

ok, wenn ich mit Zwischenspeicher arbeite, dann ist der Stadtwasserdruck unerheblich. Wobei das aber tatsächlich nicht meine favorisierte Lösung ist.

Also würde ich mich mal mit diesem Fermanox beschäftigen wollen.
Du sagst, eine Verockerung sei dabei nicht zu befürchten.
Wenn ich aber in alten Beiträgen hier im Forum stöbere, wird immer wieder davor gewarnt, das bei der unterirdischen Enteisenung mit Verockerung zu rechnen ist. Oder gibt es da noch einmal Unterschiede?


Wäre denn das hier beschriebene Verfahren ein Ansatz für mich?

https://www.wasser.de/aktuell/forum/index.pl?job=thema&tnr=100000000005614&seite=1&begriff=fermanox&tin=&kategorie=1-3-


Grüße
Markus
Renrew
(Mailadresse bestätigt)

  05.11.2020
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von ms1511 vom 04.11.2020!  Zum Bezugstext

Hallo Markus,
in der Tat ein brauchbares Wässerchen, wäre da nicht der hohe Gehalt an Eisen und Mangan. Ganz ausschließen würde ich die Nutzung von Stadt- bzw. Regenwasser nicht, da sich eine Aufbereitung des Brunnenwassers nicht ganz einfach realisieren ließe. Bei Nutzung der Zisternen und  Speicher muss das aufbereitete und gespeicherte Wasser sowieso erneut gepumpt werden und insofern wäre es gleichgültig ob Stadtwasser oder das Eigenwasser zur Gartenbewässerung genutzt wird.
Nun zu den Alternativen.
a) Beim funktionierenden Fermanoxverfahren wird nur eisen- bzw. manganfreies Wasser gefördert, eine Verockerung des Brunnens ist also nicht zu befürchten. Die Ablagerung der durch Oxidation gebildeten schwerlöslichen Verbindungen (z.B. Eisenoxidhydrate) erfolgt im mit der Zeit größer werdenden Bereich des Einzugsgebietes des Brunnens.
b) Eine einmalige Belüftung der gefüllten Zisternen wird nicht ausreichen da sich nicht genügend Sauerstoff, der für die Oxidation des gelösten Eisens und anderer Stoffe nötig ist, im Wasser lösen kann. Durch Umpumpen muss also so lange belüftet werden bis die Oxidation abgeschlossen ist und  ein Sauerstoffüberschuss festgestellt wird. Das kann unter Umständen länger dauern da der Vorgang häufig gehemmt ist. Beschleunigen lässt er sich indem man das Wasser durch bereits verockerte Füllkörper führt, im verockerten Schlauchreaktor durch Wandkontakt mit Ablagerungen leitet oder durch Kreislaufführung Brunnen – Zisterne – Brunnen – Zisterne pumpt.
c) Ein größerer Tank (10 m³) bietet sich für Versuche an. Zum Beispiel Füllung mit Lufteintrag und weiterer Belüftung durch Verrieselung, Strahlpumpe oder Kompressor über mehrere Stunden und anschließender Sedimentation der entstandenen Flocken.

Zu beachten ist bei allen Verfahren, dass der pH Wert nicht weiter sinkt. Bei der Reaktion des gelösten Eisens mit Sauerstoff entsteht nicht nur schwerlösliches Eisen sondern auch eine entsprechende Menge an Säure die neutralisiert werden muss.

Sauerstoff wird nicht nur für die Oxidation der Eisen- und Manganverbindungen sondern gleichzeitig auch für die Beseitigung von Ammonium, Methan und Schwefelwasserstoff verbraucht. Diese sind häufig Begleiter reduzierter Grundwässer und werden bei funktionierendem Fermanox-Verfahren auch mit entfernt.

Grüße, renrew
ms1511
(Mailadresse bestätigt)

  04.11.2020
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Renrew vom 04.11.2020!  Zum Bezugstext

Hi renrew,

nun, eine andere Möglichkeit schießt sich aus.
Der Wasserdruck vom Stadtwasser ist für eine vernünftige Gartenbewässerung nicht ausreichend. Das macht einfach keinen Spaß. Daher ist der Brunnen alternativlos.

Grundsätzlich habe ich auch kein Problem damit. Ich habe dieses Jahr im Schnitt 1cm³ am Tag für meine Gartenbewässerung gebraucht und meinem Rasen, sowie Zier- als auch Nutzpflanzen ist das sehr gut bekommen. - Zumindest waren Kartoffeln, Zwiebeln und Kohl alle in bester Ordnung...
Ich muss das Wasser halt nur von allem was braun werden kann fernhalten.

Welche Alternativen gibt es?
a) eine unterirdische Enteisenung nach Fermanox- Prinzip
    -> wie lange hab ich , bis mein Brunnen verockert?
b) ich hätte zwei große Zisternen, in denen ich jeweils 2cm³ Wasser zwischenlagern/ablagern könnte.
    -> Könnte das gehen, wenn ich das Wasser beim Befüllen mit Sauerstoff anreichere und dann bspw. 2-3 Tage stehen lasse?
c) evtl. hätte ich in absehbarer Zeit auch meinen alten Öltank (10.000L) als Zwischendepot frei.
    -> könnte man daraus was machen?

Ich habe hier mal die Analysedaten zusammengetragen.
Eigentlich ist das Wasser echt OK - glaube ich...


ph-Wert:    5.22
Nitrat:      0.2mg/L
Chlorid:    36.8mg/L
Phosphat: < 0.05mg/L
Calcium:    74.8mg/L
Kalium:     13.4mg/L
Magnesium:  10.0mg/L
Natrium:    19.9mg/L

Arsen      <  8ug/L
Bor        < 10ug/L
Barium       54ug/L  
Cadmium    <  1ug/L
Chrom      <  2ug/L
Kupfer        4ug/L
Eisen, gelöst     43160 ug/L
Mangan      813ug/L
Blei       <  5ug/L
Uran        < 3ug/L
Zink        809ug/L

Eisen gesamt   71552 ug/L
Mangan gesamt    820 ug/L


Grüße
Markus
Renrew
(Mailadresse bestätigt)

  04.11.2020

Hallo Markus,
wenn sich die Wasseranalyse auf Eisen auch nach längerem Abpumpen bestätigt und  Du eine andere Möglichkeit hast an Wasser für die Gartenbewässerung zu kommen, so solltest Du diese nutzen.
Brauchbares Wasser lässt sich aus jedem Grundwasser und aus jeder Kloake gewinnen. Um über 70 mg/L Eisen aus Grundwasser zu entfernen, Bedarf es sicher einer mehrstufigen Anlage aus Belüftung, Reaktionszeit, pH Regulierung, Flockenbildung, Flockenabscheidung und Filtration. Auch die Beseitigung der anfallenden Schlämme muss in die Überlegungen einbezogen werden.
Gruß, renrew  



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