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Kategorie: > Wissenschaft
Globaler Wasserhandel? Interessenausgleich oder neue Abhängi
Adolf Krohn
(Mailadresse bestätigt)

  24.03.2009

Das geplante Projekt eine Wasserpipeline von der Türkei durch das  Mittelmeer nach Israel zu verlegen, um vorerst jährlich 50 Millionen Kubikmeter Wasser zu liefern, kann nur der Anfang des globalen Wasserhandels sein.  Es muss trotz der Widerstände aus dem Bereich des politischen Dogmatismus dazu kommen, dass die Tükei mit Pipelines das Wasser auch nach Saudi-Arabien, Lybien, Kuweit usw. pumpt. Möglicherweise könnte auch Finnland zu wirtschaftlichen Bedingungen Wasser nach Deutschland liefern, welches sauberer und preiswerter ist, als das von den Wasserwerken erzeugte. Sicherlich entstehen dadurch neue Abhängigkeiten, wie sie bereits beim Öl und Gas bestehen, aber über internationale Vereinbarungen und Vorratshaltung gut beherrscht werden. Ich war 1976 und 1977 persönlich zwei Jahre in der Türkei an dem Bau der ersten Irakisch-Türkischen Pipelíne als leitender Baukaufmann beteiligt und habe schon damals nicht verstanden, warum die Türkei das eigene Wasser an seine Nachbarn verschenkt und Erdöl kauft. Zwischenzeitlich sind genügend Staudämme auf türkischem Gebiet entstanden, um dies zu ändern. Die Möglichkeit der Türkei den Wasserabfluss nach Syrien zu reduzieren führte bereits dazu, dass Syrien die gemeinsame Grenze gesichert und Überfälle vom syrischen Staatsgebiet aus unterbunden hat.  Während meiner beruflichen Anwesenheit gab es viele Überfälle im Grenzgebiet der Türkei zu Syrien, wobei sich die Banditen nach den Überfällen auf syrischem Gebiet zurück zogen. Nur das Spielen am türkischen  Wasserhahn hat im Grenzgebiet für eine relative Ruhe gesorgt. Die Alternative war ein Einmarsch der türkischen Armee, d.h. das Spielen am türkischen Wasserhahn hat zumindest den Partisanenkonflikt beendet und einen Krieg zwischen der Türkei und Syrien verhindert. Ich kann derzeit auch nicht erkennen, warum den Ölbesitzern erlaubt sein soll, was den Wasserbesitzern aus diversen politischen Richtungen verwehrt wird. Ein erfolgreiches Wassermarketing könnte im übrigen auch den Weg ebnen, um in den wasserarmen Ländern die natürliche Ressource "Sonne" zu nutzen, z.B zur Wasserstoffgewinnung.  Wenn der globale  Handel nach marktwirtschaftlichen Kriterien und internationaler Absicherung der Modelle organisiert wird, lassen sich gerade Kriege verhindern, die es  auch wegen Wasser in der Geschichte der Menschheit viel zu häufig gegeben hat.          



Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 3
Wilfried
wilfried.rosendahlrsdsolar.de
(gute Seele des Forums)

  26.03.2009
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Adolf Krohn vom 25.03.2009!  Zum Bezugstext

Hallo Herr Krohn,

das die Weltbevölkerung weiter wächst muss nicht unbedingt mit einem höheren Wasserverbrauch einher gehen - im Gegenteil, da gibt es noch ein immenses Sparpotential, vor allem in der Landwirtschaft und Industrie. Wenn Sie dazu bitte mal nach virtueller Wasserverbrauch googeln würden.

Und wie gesagt, Wasser lässt sich nicht wie Erdöl einstufen. Da gibt es inzwischen internationale Vereinbarungen, auch wenn sich einige Länder daran gern vorbei mogeln würden.

Die Türkei spricht nur davon, vielleicht vorbeugend oder nur taktisch. Tatsächlich wurden aber alle Maßnahmen an den grenzüberschreitenden Flüssen mit den Nachbarn abgestimmt.
Und außer in Nahost sehe ich im Moment keine Kriege, die ums Wasser geführt werden. Sharon hat vor ca. 5 Jahren einmal in einem Interview zugegeben,  dass Israel 1/3 des Wasserbedarfs aus palästinensischem Boden pumpt, sich also als Besatzungsmacht und außerhalb der eigenen Grenzen bedient. Das dürfte sich sonst wohl auf der Welt kein Staat erlauben (...).

Die Wasserlieferungen der Türkei an Israel sind auch nur in Abstimmung mit allen Nachbar möglich. Sonst würde es tatsächlich Krieg bedeuten, nämlich wenn Wasser, das natürlicher Weise nach Syrien und Irak fließt, nach Israel umgeleitet wird.

Nochmals, das Sparpotential ist enorm, fast überall auf der Welt und es kann auf Dauer kaum zur Verknappung der echten Trinkwasserresourcen kommen. Hingegen wird deren Kontamination immer problematischer. Aber dafür gibt es ja Wasseraufbereitung ;-))

Beste Grüße
Wilfried
Adolf Krohn
(Mailadresse bestätigt)

  25.03.2009
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Wilfried vom 24.03.2009!  Zum Bezugstext

Ích bin sicher, dass Wasser zukünftig genauso wie Öl eingestuft werden wird. Dies allein schon wegen der dramatisch ansteigenden Weltbevölkerung, die sich in den letzten ca. 110 Jahren, trotz furchhtbarer Kriege schon verdreifacht hat. Das von Ihnen eingebrachte Argument mit Palästina ist nicht ganz nachvollziehbar. Es gibt sicherlich Palästinenser, die aber, soweit ich die Historie überblicke, noch nie ein eigenes Staatsgebiet hatten und jetzt durch Uneinigkeit der einzelnen Gruppen alles unternehmen, damit dieses auch nicht entsteht. Eigentlich sehr schade, aber auch von den arabischen Nachbarn nicht gerade aktiv verhindert.
Als gesichert gilt, dass die Israelis mit dem vorhandenen knappen Wasser nach dem 2. Weltkrieg eine äußerst effektive Landwirtschaft aufgebaut haben.
Wenn die knappe Ressource Wasser einen Preis hat, wird auch kein Wasser mehr verschwendet. Ergänzend weise ich darauf hin, dass wenn die türkische Landwirtschaft weiter so stürmisch entwickelt wird, wie in den letzten Jahrzehnten, dann wird die Wassermenge, welche die Türkei nicht selbst verbraucht noch stark schrumpfen. Internationle Abkommen sind sicherlich wünschenswert, diese werden aber nur dann beachtet werden, wenn der Markt nicht ausgeschaltet wird.  Zurück zur Türkei: Sie wird das Wasser, welches Sie selbst nicht verbraucht, zukünftig mit erheblichen Anteilen verkaufen. Zu den Kunden wird dann auch das Ölland Irak gehören, welches bereits über zwei Pipelines Öl von Kirkuk zum türkischen Mittelmeerhafen bei Cheyhan pumpt. Es geht im Übrigen nicht nur um die Flüsse Euphrat und Tigris, die Türkei hat noch eine Reihe weiterer Quellen, so z.B. bei Manafgat, aber auch bei Nussabyn habe ich einen Fluss in unmittelbarer Nähe zur syrischen Grenze kennen gelernt, der schon wenige Kilometer nach der Quelle über 50 Meter breit war. Die Wasserlieferungen an Israel sollen im Übrigen aus Manafgat kommen. Wasser, welches ansonsten ungenutzt ins Mittelmeer fließt und dort mit Salzwasser vermischt wird. Dafür ist Trinkwasser viel zu schade.  
Wilfried
wilfried.rosendahlrsdsolar.de
(gute Seele des Forums)

  24.03.2009

Hallo Herr Krohn,

Wasserrecourcen wie Erdöl einzustufen, dass ist derzeit der türkische Wille, aber genau das würde Kriege ums Wasser verursachen und es ist prinzipiell auch falsch.
Wasser bildet einen natürlichen Kreislauf und lässt sich nicht mit Bodenschätzen vergleichen. Das Regenwasser, das zufällig über einem Land mehr herab fällt als über einem anderen, das kann kein Eigentum werden. Es darf in dem Land genutzt werden, aber möglichst wenig verbraucht, z.B. in dem es übermäßig in der Landwirtschaft verdunstet.

Die Türkei mit Euphrat und Tigris ist ein hervorragendes Beispiel. Besonders für den Irak sind beide Flüsse Lebensadern und es gibt einen historischen Anspruch auf die Nutzung. Ohne dieses Wasser ist das Land ruiniert.

Eben solches Unrecht geschieht in Palästina. Die Israelis pumpen dort exzessiv das Grundwasser ab. 1/3 des israelischen Wasserbedarfs wird als Besatzungsmacht (völkerrechtswidrig) aus palästinensischem Boden gepumpt. Dort ist das Grundwasser für immer mehr Einheimische nicht mehr erreichbar und es ist ihnen verboten ihre Brunnen zu vertiefen, andernfalls wird ihnen sofort das komplette Haus abgerissen. Genau genommen ist das schon ein Krieg ums Wasser und jeder Friedenswille ist geheuchelt.

Die internationalen Wasserechte gehören unbedingt geregelt und zwar in effizienten Verhandlungen innerhalb der UN. Diese Weltwassertage, wo sich 27.000 "Schwätzer" treffen, wie gerade in Istanbul, die sind einfach lächerlich - und schade ums Geld.

Beste Grüße
Wilfried



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