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Kategorie: > Technik > Brunnen / Quellen / Pumpen
Scleim im Grundwasserbrunnen
Mieke
(Mailadresse bestätigt)

  12.09.2007

Sehr geehrte Damen und Herren,
es gibt einen Grundwasserbrunnen, in dem eine Pumpe zum Transport des Wassers in eine Reinigungsanlage angebracht ist. Hier sollen CKWs aus dem Wasser gefiltert werden.
In diesem Brunnen bildet sich nun ein pudding-artiger Schleim (gelb-weißer Farbe), der vermutlich durch Bakterien gebildet wird.
Haben sie Erfahrung mit solchen vorkommnissen? Oder wissen Sie, wo man sich nach der Art der Bakterien erkundigen kann?

Vielen Dank.



Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 15
Klaus J. Nick
nickwasser-agentur.de
(Mailadresse bestätigt)

  14.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Hartmut Schmitt vom 14.09.2007!  Zum Bezugstext

Hallo Hartmut Schmidt, H2O und Wilfried,

um die guten Lösungsansätze zu sortieren:

1) der Schleim kann sich nur durch Nährstoffe (TOC /DOC) in Verbindung mit Sauerstoff bilden, falls er denn organisch ist. (Es gibt auch Aluminiumoxid-Schleim oder Eisenoxid-Schleim, der - so vermute ich nur - hier nicht in Betracht kommt.)

2) Durch Oxidation mit Chlordioxid oder UV-Ozon kann der Schleim nicht entfernt werden, da das nur an der Oberfläche wirkt. Es ist dann sogar zusätzlich mit einer Verkeimung in den in Fließrichtung nachfolgenden Anlagenteilen infolge der durch die oberflächliche Oxidation und gleichzeitig stattfindenden Ablösung von organischem Kohlenstoff zu rechnen - leider.

3) UV-Ozon ist aber DIE Methode zur Minimierung des DOC, der für die Schleimbildung (vielleicht) verantwortlich ist, besser als Chlordioxid, weil auch Chlordioxid AOX und CKW bildet (aber weniger, als Chlor).

4) UV-Ozon knackt gleichzeitig CKW. OH - Radikale sind das aggressivste Mittel zur Nassoxidation überhaupt (sie haben das höchste Oxidationspotential).

5) Der Schleim muß also am besten mechanisch abgelöst und entfernt werden, dann kann ein oxidatives Verfahren (am besten eben UV-Ozon) zur Minimierung von TOC (und CKW) eingesetzt werden.

6) zur Bemessung einer UV-Ozon Anwendung ist die Kenntnis folgender Konzentrationen erforderlich:

- DOC (ist keine merkliche Trübung vorhanden, geht auch TOC)
- spektraler Absorptionskoeffizient (SAK) bei 254 nm
- Eisen, gesamt
- Mangan, gesamt
- CKW - Komponenten
- Nitrat /Nitrit /Ammonium
- Sauerstoff

Das alles nur, falls der Schleim wirklich organischen Charakter hat.

Gruß,
Klaus

Wilfried
wilfried.rosendahlrsdsolar.de
(gute Seele des Forums)

  14.09.2007

Hallo Mieke,

"Leptospirus" kommt wohl weniger in Frage - eher bei Katzenkrankheiten - und Sphaerotilus gehört zu den Fadenorganismen, wovon noch ca. 30 weitere Arten relevant sind.

ALLE lassen sich durch UVC-Bestrahlung  und Ozonisierung inaktivieren und wie gesagt, unterstützt dieses Verfahren auch die Eliminierung der CKWs.

Beste Grüße
Wilfried
Gast (Hartmut Schmitt)
(Gast - Daten unbestätigt)

  14.09.2007

Sehr geehrte Mieke,

nach Ihren bisherigen Schilderungen könnte es sich auch um die sogenannten "Abwasserpilz"-Organismen Sphaerotilus und Leptospirus handeln, die sich gern in Wässern mit einer hohen organischen Belastung massenhaft entwickeln, zu den sogenannten Pilztreiben führen und dann z.B. in Abwasserreinigungsanlagen zur Verstopfung von Filtern führen. Sie haben doch bestimmt Untersuchungsergebnisse zu Ihrem Brunnenwasser. Ist da auch etwas zur organischen Belastung dabei? Sind dort entsprechende Substanzen im Wasser enthalten, können diese auch evtl. eingeleitete Desinfektionsmaßnahmen behindern oder gar unwirksam machen.

Leider bin ich kein Abwasserfachmann und kenne mich nicht in der praktischen Bekämpfung von "Pilztreiben" aus. Vielleicht könnten Sie mal in dieser Richtung weiter recherchieren. Vielleicht kann auch jemand anderes im Forum dazu Tipps geben. Es wäre aber für uns alle hilfreich, wenn Sie Wasseruntersuchungsergebnisse hätten und uns diese nennen könnten.

Schön wäre es auch, wenn Sie uns eine kurze Rückmeldung geben könnten, ob und wie Sie Ihr Problem lösen konnten. Dann hätten auch andere Forumsteilnehmer/innen einen Nutzen von Ihren Erfahrungen.

Mit freundlichen Grüßen

Hartmut Schmitt
Gast (H2O)
(Gast - Daten unbestätigt)

  14.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Rainer Kluth vom 13.09.2007!  Zum Bezugstext

Hallo zusammen,

ich kenne das Kombinationsverfahren auch mit Wasserstoffperoxid. Dabei entstehen aus dem H2O2 durch Einwirkung der UV-Strahlung je nach pH-Wert Hydroxylradikale oder Ozon die beide sehr starke Oxidationsmittel darstellen. In der Tat wird diese Verfahren auch erfolgreich zur "Zerlegung" von CKW verwendet.

Gruß
H2O
Rainer Kluth
rainer.kluthgmx.net
(gute Seele des Forums)

  13.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Wilfried vom 13.09.2007!  Zum Bezugstext

Hallo Wilfried,

die Idee mit der Kombination mit Ozon ist sehr gut.
Da so auch die CKW zumindesten angeknackt werden ist das eventuell ein gangbarer Weg. Wichtig hier ist vor allem der richtige Ozoneintrag. Hier wird am meisten falsch gemacht.

Gruß

Rainer
Wilfried
wilfried.rosendahlrsdsolar.de
(gute Seele des Forums)

  13.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Mieke vom 13.09.2007!  Zum Bezugstext

Hallo Mieke,

das Wichtigste hat Rainer ja schon gesagt. Um überhaupt zu beurteilen, ob eine getauchte UVC-Entkeimung sinnvoll ist, müsste ich den Brunnendurchmesser und die Tiefe wissen. Zum Abtöten von Bakterien, Pilzen & Co. bedarf es einer gewissen Strahlungsdosis und da die Strahlung mit der Entfernung quadratisch abnimmt, sind dem Einsatz von getauchten UVC-Strahlern Grenzen gesetzt. Überdies darf das Wasser nicht stark eisenhaltig oder gar trübe sein - wie auch schon gesagt.

Eine weitere Alternative wäre UVC-Entkeimung im Umwälzverfahren, kombiniert mit Ozonisierung. Damit ließe sich sogar schon ein Teil der CKWs knacken. Aber auch hierfür wäre eine nähere Beschreibung der Situation nötig, um die Machbarkeit abzuschätzen.

Beste Grüße
Wilfried
Rainer Kluth
rainer.kluthgmx.net
(gute Seele des Forums)

  13.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Mieke vom 13.09.2007!  Zum Bezugstext

Hallo Mieke,

UV-Licht tötet zwar keime ab, besitzt aber keinerlei Pufferwirkung.
Du müsstest daher kombiniert fahren.
Zuerst eine Grundsanierung des Brunnens und der Leitungen mit Chlordioxid.
Wenn Du alles sauber hast kannst Du dann UV-Strahler setzten. beachte dabei das diese Methode stark von der Trübung abhängt.
Wie du sowas im einzelnen zu machen hat kann Dir Wilfried sagen.
Aufgrund der hohen Wiederverkeimung würde ich aber trotzdem mit einer geringen Dosis Chlordioxid weiter arbeiten.

Gruß

Rainer
Mieke
(Mailadresse bestätigt)

  13.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Hartmut Schmitt vom 13.09.2007!  Zum Bezugstext

Sehr geehrter Herr Schmitt,
den Zeitraum der Schleimbildung kann ich ihnen leider nicht nennen, aber der Schleim befindet sich mit einer Dicke von mehreren cm an der Wasseroberfläche, wird jedoch durch das komplette Rohrsystem , bishin zum Aktivkohlefilter mitgetragen. Ein mechanischer Abtrag ist bereits mehrmals erfolgt, stellt jedoch keine langfristige Lösung dar. Das betrifft auch das Auswechseln der Pumpe und der A-kohle.
Ich bin nun noch auf die Möglichkeit der Zerstörung/Abtötung von Bakterien durch UV-Licht gestoßen. hierzu wird von Osram eine bestimmte Leuchteinheit hergestellt. Haben sie mit dieser Methode Erfahrungen gemacht?

vielen Dank an alle für das rege Interesse und die vielen anregungen!!!

Mit herzlichen  Grüßen, Mieke.
Gast (Hartmut Schmitt)
(Gast - Daten unbestätigt)

  13.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Rainer Kluth vom 13.09.2007!  Zum Bezugstext

Sehr geehrte Mielke,

darf ich kurz nachfragen, welche Größe und Dicke der von Ihnen beschriebene "puddingartige" Schleim hat. Ist er nur einige Millimeter oder gar mehrere Zentimeter dick? Wo befindet er sich eigentlich? Ist er oberhalb oder unterhalb der Wasseroberfläche? Wissen Sie, wie lange die Bildung des Schleimes ungefähr gedauert hat? Können Sie das ungefähr abschätzen? Unter der Beschreibung "puddingartig" stelle ich mir vielleicht fälschlicherweise etwas Größeres vor. Für eine kurze Rückmelung wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Hartmut Schmitt
Rainer Kluth
rainer.kluthgmx.net
(gute Seele des Forums)

  13.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Hartmut Schmitt vom 13.09.2007!  Zum Bezugstext

Hallo Herr Schmitt, Hallo Mieke

leider lassen sich solche Biofilme oder auch Biorasen in der laufenden Applikation nicht immer mechanisch beseitigen. Gerade hier hat sich Chlordioxid bewährt. Es beseitigt auch zuverlässig Biorasen.

Vor allem wird hier das komplette Umfeld der Pumpe durchoxidiert und damit die erneute Entstehung von Biofilm stark gehemmt.
Eine mechanische Reinigung kann hier durch den Eintrag von Biofilm ins Wasser sogar zu einer Verschlimmbesserung führen.

Gruß

R. Kluth

Gast (Hartmut Schmitt)
(Gast - Daten unbestätigt)

  13.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Rainer Kluth vom 13.09.2007!  Zum Bezugstext

Sehr geehrte Mieke,

ergänzend zum Vorschlag mit den Desinfektionsmitteln möchte ich noch hinzufügen, dass die Desinfektionsmittel dickere Schleime oft nur oberflächlich erfassen. Dickere Schleimschichten müssen dann zunächst einmal mechanisch soweit entfernt werden, dass die Desinfektionsmittel bis zu der Oberfläche wirken können, an der die Schleime haften. Wenn die Ursache nicht erkannt und beseitigt wurde, kann es passieren, dass die Schleimbildung nach Beenden des Desinfektionsmitteleinsatzes wieder beginnt.

Mit freundlichen Grüßen

Hartmut Schmitt
Rainer Kluth
rainer.kluthgmx.net
(gute Seele des Forums)

  13.09.2007
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Christoph vom 12.09.2007!  Zum Bezugstext

Hallo Mieke,

ich sehe das auch wie Christoph.
Eine Bestimmung der Bakterien hilft dir nicht weiter.
Wenn der Biofilm ein Problem für Euer Verfahren darstellt, hilft nur die oxidative Entfernung. neben dem von Christoph genannten H2O2 würde ich hier aber eher Chlordioxid einsetzten da die Einsatzkonzentrationen niedriger und die Wirkung besser ist.

Gruß

R. kluth
Hydrogeotest
hydrogeotestgmail.com
(Mailadresse bestätigt)

  12.09.2007

Hallo,

den Schleim kenne ich. Aber bei CKW?, da hat man doch eher anerobe Verhältnisse und durch entstehendes Eisensulfid müsste es doch eher schwarz werden ...?

Wird in den Grundwasserleiter was zur Anregung des Abbaus hinzugegeben, oder wird ganz herkömmlich gestrippt bzw. über A-Kohle saniert?

Gast (Christoph)
(Gast - Daten unbestätigt)

  12.09.2007

Hi Mieke,

die "Biologie" ist ein leidiges Thema in der Grundwassersanierung. Der Schmodder setzt Brunnen, Pumpen, Leitungen und vor allem die Aktivkohle zu.
Dabei ist es völig wurscht welche Bakterienstämme gerade am Werkeln sind, da der Schaden physikalischer Natur ist!  ....es hilft vielleicht: stetiger Pumpenwechsel, regelmässiges Brunnenspülen, Sandfiltern/Rückspülen, H2O2-Dosierung, Sanierung als "erfolgreich beendet" erklären...

Das war jetzt keine Hilfe!

Gruß
Christoph

Gast (Hartmut Schmitt)
(Gast - Daten unbestätigt)

  12.09.2007

Sehr geehrte Mieke,

Schleime sind häufig nicht nur einzelne Arten. Es können auch mehrere Arten an Pilzen und Bakterien sowie andere Ein- und Mehrzeller daran beteiligt sein. Weiterhin kann es in solchen Schleimen auch organische und anorganische Einlagerungen geben. Deshalb sind solche Untersuchungen nicht immer gerade leicht. Vielfach können "normale" mikrobiologische Labors solche Mikroorganismen auch nicht ohne weiteres analysieren. Dennoch wäre es sinnvoll, sich einmal an ein für Trinkwasseruntersuchungen zugelassenes Labor zu wenden. Dieses kann dann wahrscheinlich ein Labor nennen, das sich hier besser auskennt, wenn es selbst mit dieser Analyse nicht klar kommt. Möglicherweise kennt auch Ihr zuständiges Gesundheitsamt ein geeignetes Labor.

Ich hoffe, Sie kommen damit weiter.

Mit freundlichen Grüßen

Hartmut Schmitt



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