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Kategorie: > Technik > Brunnen / Quellen / Pumpen
Brunnenbau in der Vergangenheit
Gast (sepp s)
(Gast - Daten unbestätigt)

  08.05.2006

Hallo Brunnenbauer
Die Meinungsverschiedenheit ob man zur Errichtung eines Brunnens einen Geologen benötigt hat mich veranlasst über den Brunnenbau in der Vergangenheit als es noch keine Geologen gab nachzudenken.
In unserer Gegend ist bei fast allen alten Häusern ein Brunnen vor der Haustüre  anzutreffen. Früher Ziehbrunnen von dem man das Wasser herauspumte und ins Haus trug. (war noch in meiner Jugend noch vereinzelt so.)Elektrisch betriebene Ziehbrunnen waren selbst noch bis 1960 üblich an welchen  man auch händisch wasserziehen konnte (wegen der bis dahin vielen Stromausfälle)

Nun zur eigentlichen Frage: Waren es zuerst die Häuser, welche man errichtete und dann  die  Brunnen und wie war man sich dann so sicher ( Ohne Geologen)das es neben der Haustüre Wasser vorhanden war? oder wurde doch zuerst der Brunnen errichtet? grub man einfach drauf  los in der Hoffnung irgendwann wird schon vor der Haustüre auf Wasser stossen? was(fast) immer  zutraf wen  auch 50 m und mehr!
Neben unserer Haustüre  befindet sich ein 14 m tiefer Steinbrunnen (etwa 7 m davon mit Steinen befestigt kein Mörtel) wie alt könnte dieser sein?
Wer weiß da Bescheid?
Mit freundlichen Grüßen Sepp



Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 1
Hydrogeotest
hydrogeotestgmail.com
(Mailadresse bestätigt)

  14.05.2006

Hallo Sepp,
den kleinen Seitenhieb Richtung Geologen übersehe ich mal beflissentlich. Zwischen den Brunnen von einst und den Bohr- und Spülbrunnen von heute gibt es ja ein paar kleine Unterschiede.
Die Brunnenbauer/-schachter von einst konnten eigentlich nicht viel falsch machen, außer sie wurden verschüttet.
Man hat sich eingegraben, bis man auf Wasser gestoßen ist. Dann wurde Wasserhaltung betrieben und weiter gegraben (oder in Fels geschlagen), bis man ausreichend tief war und/oder die Wasserhaltung nicht mehr in den Griff bekam. Pumpen wie wir sie heute kennen, gab es ja damals noch nicht.
Da die Brunnen über einen großen Durchmesser verfügten, funktionierten sie als Sammelbrunnen, in die das Wasser nachströmte. Da keine großen Mengen über längere Zeit entnommen wurden, waren diese auch vollkommen ausreichend.
Die Steine wurden wie bei einem Torbogen aneinander gesetzt und stützen sich selbst. Somit ist Mörtel überflüssig und im Zuflussbereich ja auch eher hinderlich.
Auch in der heutigen Zeit kann eigentlich jeder, der sich so einen Brunnen baut nichts falsch machen. Hat er Ton oder Mergel, wird er solange schachten bis er Wasser oder keine Lust mehr hat. Kommt er in Feinsand wird er wohl aufgeben und im Kies wird er nicht allzuweit hineinkommen oder wollen, wenn der ausreichend Wasser führt.
Kurz und knapp - er sieht ja wo er sich durchwühlt und kann selbst entscheiden was sinnvoll ist oder nicht.
Demgegenüber geschieht das Bohren oder Spühlen eher "blind" und je weniger Ahnung desto blinder die Vorgehensweise. Fehler aus mangelndem Fachwissen vorprogrammiert. Die unterschiedlichen Bohrverfahren sind nun mal den unterschiedlicher Bodenverhältnissen/Geologie oder Aufgabenstellungen geschuldet.
Es muß nicht immer ein Geologe /Hydrogeologe sein, nein - auch jeder Bohrmeister hat eine geologische Ausbildung erhalten.
Die Hobbybohrer verfügen dagegen meist über nur geringe Kenntnisse. Meist sind dann deren Kunden die leidtragenden. Mal abgesehen davon, das unkontrolliertes Bohren auch schwerwiegende Folgen auf das lokale Grundwassersystem haben kann. Wenn Grundwasserstauer durchteuft und Grundwasserleiter miteinander verbunden werden, weil die "Bohrer" das entweder nicht erkennen, oder ignorieren, oder einfach fachlich und technisch nicht in der Lage sind die Bohrung in diesem Bereich auch wieder richtig abzudichten, nachdem die "Brunnenrohre" eingebaut wurden.
Besonders kritisch, wenn dies in oder in der Nähe von Industriegebieten geschieht.
Ein guter Brunnen ist nicht nur vom Vorhandensein eines ausreichenden Grundwasserleiter abhängig, sondern auch vom richtigem Ausbau. Wer ein aufgebohrtes KG-Rohr in einen feinsandigen Grundwasserleiter ohne Kiesschüttung eingebaut bekommt, kann zwangsweise nicht lange Freude daran haben, weil der Brunnen mit der Zeit versandet. Übrigens der Preisunterschied zwischen einem KG-Rohr und einem richtigen PVD-Filter ist nicht groß. Schlagfilter aus dem Baumarkt sogar teurer als die aus Kunststoff für den Brunnebau in gleicher Dimensionierung.
Im Endeffekt muss die Bauart des Brunnens immer den geologischen Verhältnissen angepasst sein, sonst wird es nichts, das wußten auch schon unsere Vorfahren und auch die hatten schon ihre Spezialisten für Brunnenbau.
Hab übrigens mal einen Fernsehbericht gesehen(leider nicht von Anfang an), über einen Brunnenbauer ich glaub aus Östereich, der hat die Brunnen noch nach alter Tration gebaut. Das Abteufen hatte ich leider verpasst, aber der Ausbau erfolgte auch mit Steinen, die Bohrlochwand war mit Brettern gesichert. Eine passende Schwengelpumpe wurde komplett aus Holz in der eigenen Werkstatt gebaut, echte Handarbeit - selbst das Durchbohren des langen Stammes und Anfertigung des Kolbens mit der Ledermanschette. War einfach beeindruckend und wieder mal erschreckend, wieviel Erfahrung von Generationen mit diesem Mann eines Tages mal die Erde verlässt - wer kann schon noch so etwas ...so ohne VOB, DIN, DVGW usw. aber dafür in absoluter Perfektion und mit seiner Handwerkerehre als Qualitätszertifikat und Garantie.
So das wars - der nächste bitte....  ;-)



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