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Kategorie: > Technik > Brunnen / Quellen / Pumpen
Qualitätssicherung Oberflächenwasser
Heiner Funke
hein-ffreenet.de
(Mailadresse bestätigt)

  23.06.2005

Liebe Kollegen,
ich bin Mitarbeiter einer unteren Wasserbehörde und somit, neben dem Gesundheitsamt, auch zuständig für die Überwachung der Rohwasserqualität der öffentlichen Wasserversorger.
Da in unserem Zuständigkeitsbereich die permanente Gefahr besteht, dass unzureichend desinfiziertes (aufgrund von Trübungseinbrüchen) Trinkwasser in die Versorgungsnetze abgegeben wird, stellt sich folgende Frage:
Gibt es bereits ausreichende Erfahrungen mit einfachen UF-Anlagen z. B. Virex 900 der Fa. Seccua? Kann bei solchen Anlagen auf eine nachfolhende Sicherheitsdesinfektion (in Form einer UV-Anlage) verzichtet werden?
Ich bin wirklich nur an fachlich fundierten Antworten interessiert.
Heiner



Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 9
Rainer Kluth
rainer.kluthgmx.net
(gute Seele des Forums)

  21.09.2005
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Michael Hank vom 21.09.2005!  Zum Bezugstext

Hallo Herr Hank,

danke für die Infos.
Sie decken sich mit dem was ich mittlerweile auch in Erfahrung gebracht habe.

Gruß aus Bonn

Rainer Kluth
Gast (Michael Hank)
(Gast - Daten unbestätigt)

  21.09.2005
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Rainer Kluth vom 28.06.2005!  Zum Bezugstext

Sehr geehrter Herr Kluth,
folgende Infos zum Thema:
(1) die Anlage in Aachen/Roetgen wird mit einem Oberflächenwasser (Talsperre) als Rohwasser mit einer Flockungsfiltration (Flockung und direkte Einspeisung in eine UF) und ohne nachgeschaltete UV betrieben.
(2) der neue Entwurf der DIN2001 sieht bei dezentral betriebenen Kleinanlagen eine regelmäßige Überprüfung der Membranmodule im Werk des Herstellers der Anlage vor. Ein teure Integritätsprüfung auf der Anlage kann dadurch vermieden werden
(3) wir betreiben bereits über 30 Anlagen mit Fluxraten zwischen 100 und 400 l/m2h mit guten Erfahrungen.
(4) Die Einheit "kD" bei der Angabe der Trenngrenze kommt aus dem US-amerikanischen und bedeutet "Kilodalton". Dabei entspricht ein Dalton einem Gramm pro Mol (Molekülmasse). Früher wurde die Trenngrenze von UF mit z.B Glukosemolekülen ermittelt.
(5) In keiner Anlage die mit Modulen der inge AG bestückt ist (und das sind bisher über 300.000 m3/Tag gesamte Aufbereitungsleistung ist es bisher zu einem Faserbruch gekommen.

Gerne stehe ich Ihnen für weitere Infos zur Verfügung.
Michael Hank
Gast (H2O)
(Gast - Daten unbestätigt)

  09.07.2005

Hallo Herr Funke,

vielleicht bin ich ja schon zu spät mit meiner Antwort, hatte aber erst kürzlich ein Treffen mit einer geschätzten Mitarbeiterin des IWW Mühlheim die sich insbesondere mit Verkeimung, Biofilmen usw. beschäftigt. Von ihr habe ich die Information, dass in Aachen entweder Europas oder Deutschlands (habe ich nicht mehr so genau in Erinnerung) größte Trinkwasseraufbereitung basierend auf Membrantechnologie entsteht. Ich denke Ihre Kollegen in Aachen können Ihnen bei Ihren Fragen weiterhelfen.

Gruß
H2O
Heiner Funke
hein-ffreenet.de
(Mailadresse bestätigt)

  29.06.2005
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Rainer Kluth vom 28.06.2005!  Zum Bezugstext

Hallo Herr Kluth,
hallo Herr Herguth,

danke für die Antworten.
Ich hätte gerne noch weitere Meinungen dazu gelesen.

Grüße
Heiner
Rainer Kluth
rainer.kluthgmx.net
(gute Seele des Forums)

  28.06.2005
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Heiner Funke vom 28.06.2005!  Zum Bezugstext

Hallo Herr Funke,

die Überwachung auf Durchbrüche mittels einer blockweisen (max 4 Module) Messung der Trübung würde ich in jedem Fall empfehlen. Insbesondere bei den Modulen von Pall und Hydranautics. Diese Kapillarmodule (im Volksmund auch Spaghetti genannt) sind recht filigran und können auch mal kaputt gehen. Die Inge Module sind da ausfgrund Ihrer bauform längst nicht so gefährdet.

Gefahr der Verkeimung besteht bei allen Modulen wenn Sie zu lange stehen (So empfiehlt Inge die Module bei längerem Stillstand mit Natriumbisulfirt zu fluten)  oder wenn es zu einer permeatseitigen Verkeimung von Aussen kommt. Dabei wachsen die Keime gegen Permatflußrichtung zur Membrane.
Es sollte daher im Permeatbehälter immer auf eine saubere Systemtrennung geachtet werden.

Um auf Nummer sicher zu gehen würde ihc zudem immer eine UV-Entkeimung in die Permeatleitung setzten.

Gruß aus Bonn

Rainer Kluth
Carsten
(Mailadresse bestätigt)

  28.06.2005

Hallo Herr Funke,

von anderen Herstellern (z.B. Fa. PALL) weiß ich, dass diese durch Integritätstests feststellen, ob die Membranen noch funktionstüchtig sind. Ebenfalls wird die Differenzdurckmessung dazu genutzt, die Rückspülung zu steuern. Die Rückspülung der Fa. PALL funktioniert mit Luft, eine chemische Reinigung der Anlage ist somit nur ein- bis zweimal jährlich erforderlich (kommt aber auf die Wasserqualität an).
Nach Angaben des Herstellers kann auf eine zusätzliche Desinfektion verzichtet werden.
Ich hoffe, dass ich Ihnen helfen konnte...

MfG Carsten
Heiner Funke
hein-ffreenet.de
(Mailadresse bestätigt)

  28.06.2005
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Rainer Kluth vom 28.06.2005!  Zum Bezugstext

Hallo Herr Kluth,

erstmal herzlichen Dank für Ihre Antwort. Ich denke, mit den technischen Details der genannten UF-Anlage brauchen wir uns nicht näher auseinander setzen. Mir geht es bei meiner Frage um etwas Anderes. Zur Verdeutlichung meines Anliegens will ich es noch mal präzisieren:

Zum Rohwasser: Gemeint ist Oberflächen nahes Grundwasser aus Quellfassungen, bei dem durch witterungsbedingte Trübungseinbrüche die Wirksamkeit einer Desinfektion nicht immer sichergestellt ist. Im Sinne von 5 Abs. 4 TrinkwV muss bei einem solchen Rohwasser eine Aufbereitung, erforderlichenfalls unter Einschluss einer Desinfektion, erfolgen.

Jetzt der eigentliche Kern meiner Frage: Bietet eine Aufbereitung mittels einer einfachen Ultrafiltration ausreichend Sicherheit gegen Keimdurchbrüche, oder muss zur Sicherheit eine Desinfektion nachgeschaltet werden?

Dazu sagt der Hersteller: "Membranbruch ausgeschlossen - Die patentierte "Multibore"-Struktur der Membran vereint einzelne Kapillaren in einer zusammengefassten, widerstandsfähigen Struktur. Dieser Aufbau erhöht die Stabilität der Membran erheblich und schließt Faserbrüche aus. ... Der Ausschluss von Membranbrüchen garantiert maximale Zuverlässigkeit im Betrieb und erübrigt den Einsatz weiterer Desinfektionsstufen."

Wie wird dies in der Fachwelt gesehen? Gibt es bereits ausreichende Erfahrungen mit diesen Anlagen, die die Herstellermeinung bestätigen? Und nach welcher Betriebszeit sollten/müssen die Module zur chemischen Reinigung/Desinfektion ausgetauscht werden?

Grüße
Heiner Funke
Rainer Kluth
rainer.kluthgmx.net
(gute Seele des Forums)

  28.06.2005
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Rainer Kluth vom 28.06.2005!  Zum Bezugstext

Kurze Ergänzung

Da Sie sich in Ihrer Frage auf Oberflächenwasser beziehen, hier noch kurz der Verfahrensablauf zur Gewinnung von Trink- oder Prozesswasser (wobei letzteres teilweise höhere Anforderungen als Trinkwasser hat).

- offene Entnahme (oder über Brunnen als Uferfiltrat;keine Flockung nötig)
- Flockung (bei hoher Sedimentbelastung)
- Kiesfilter zur Abtrennung von Sedimenten
- Ultrafiltration
- Umkehrosmose


Die Kombination dieser Verfahren ist abhängig von der Belastung des Oberflächenwasers. So wird z.B. bei der Entnahme von Wasser aus dem Rhein, nur dann geflockt wenn die Sedimentbelastung hoch ist (Frühjahr, Hochwasser etc.)

Eine UO ist auch nicht immer nötig. Es kommt auf die benötigte Qualität des Wassers an. Die Anlagen für die Aufbereitung von Oberflächenwasser haben Kapazitäten zwischen 50 und 500 m/h. Es gibt aber auch noch einige größere Anlagen. Die UF wird hierbei meistens im Semi-Dead-End betrieben. Wie hoch hierbei die Überströmung ist, hängt vom Feststoffgehalt des Rohwassers ab.

Gruß aus Bonn

Rainer Kluth
Rainer Kluth
rainer.kluthgmx.net
(gute Seele des Forums)

  28.06.2005

Hallo Herr Funke,

ich habe leider eben erst Ihre Frage entdeckt.

Da Sie auf ein spezielles Produkt eingehen, die Virex 900, erst einige Anmerkungen dazu.
Die auf der Hompage angegebenen Leistungsdaten sind ein wenig übertrieben. 3600 l/h sind mit zwei Membranen (auch unter Spitzenlast) nicht zu schaffen. Der Membranhersteller gibt 220 l/m/h an. Dies macht bei 4m Modulfläche eine Filtratleistung von max. 880 l/h.
DEsweitern beträgt die TRenngrenze 100-150 kD. Eine Einheit von g/mol habe ich noch nie gesehen.
Vielleicht hätte man das Datenblatt besser abschreiben sollen.

Dies soll aber keine Kritik am Produkt slebst sein.
Wie Sie schon richtig feststellten kann eine UF zur Sterilfiltration eingesetzt werden. Dazu muß sie aber richtig betrieben werden. Insbesondere om Dead-End-Betrieb sind eine regelmäßige und richtige Rückspülung (Um einem "Verstopfen" der Membran vorzubeugen, muss in regelmäßigen Abständen eine Reinigung erfolgen. Mit einer Rückspülpumpe wird ein so genannter Backwash durchgeführt. Dieser presst zuvor gewonnenes Filtrat praktisch im "Rückwärtsgang" durch die Membran. So werden Verunreinigungen abgelöst und hinausgespült.

Eine Optimierung der Reinigungsleistung erfolgt mit Hilfe eines Forward Flush, bei dem Rohwasser mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Kapillaren strömt. Durchgeführt kurz vor und nach dem Backwash, löst dieser dann Partikel noch besser von der Membran und spült gleichzeitig die Stoffe aus dem Rezirkulationskreislauf ohne dafür zuvor produziertes Filtrat verwenden zu müssen.)Zitat Inge AG

Auch ist eine regelmäige Desinfektion der Anlage extrem wichtig. Bakterien können nämlich im Stadium der Zellteilung durch die Membrane wachsen und somit zuu einem biologischem Wachstum auf der Permeatseite führen. Wenn dies beachtet wird und die Membrane zudem kontinuierlich betrieben wird, stellen diese Anlage eine wirkungsvolle Keimsperre dar. Dies zeigen hunderte von Anlagen id der Praxis.

Gruß aus Bonn

Rainer Kluth



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